BANKSICHTEN


Roter Faden Hannover



Es gibt zwei Arten, eine Stadt zu lesen. Die eine ist Gehen — der Blick wandert, die Bilder ziehen vorbei, die Stadt erzählt sich im Vorübergehen. Die andere ist Sitzen. Was die Rote Linie als Weg markiert, öffnet sich erst, wenn man stehenbleibt und sich niederlässt - vorrangig auf Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum, wie z.B.: Parkbänke.Banksichten ist die wohl konsequenteste fotografische Untersuchung dieser Blicksituationen  im deutschsprachigen Raum.


Seit über zwanzig Jahren entsteht eine Werkserie, die das Sehen als Methode selbst zum Gegenstand hat. Mehr als 550 Blickpaare an über 190 Orten sind bislang dokumentiert. Jede Arbeit besteht aus einer Doppelperspektive: der Bank als gewähltem Standpunkt und der Sicht, die sich von ihr aus eröffnet. Was sich zwischen beiden auftut, ist die eigentliche Arbeit.


Dass sich jemand zwei Jahrzehnte lang einem so unspektakulären Sujet widmet, hat vielleicht etwas Fragendes. Wer Banksichten zum ersten Mal begegnet, hält die Idee potenziell oberflächlich — und merkt erst Tage später, dass sie nicht mehr loslässt. Die Hartnäckigkeit der Methode ist Teil ihrer Wirkung. Wer zwanzig Jahre auf dasselbe schaut, sieht anderes als die, die einmal hinblicken.

Banksichten ist weder Stadt-, Landschafts-, oder Architekturfotografie. Es ist eine eigene Form — die serielle Methode, Wahrnehmung als Praxis sichtbar zu machen. Die Bilder sind bewusst ungeschönt, dokumentarisch im Ton, nüchtern in der Komposition.


Das Spektakuläre ist nicht ihr Ziel — ihr Ziel ist das Sehen selbst, das sich erst öffnet, wenn man bleibt. Wer länger blickt, sieht mehr. Erst das Offensichtliche. Dann das Übersehene. Dann Gedanken, die man nicht erwartet hat. Die Werkserie macht diese Erfahrung wiederholbar — und sie macht sie zur ästhetischen Setzung.

Entlang der Roten Linie in Hannover sind in den vergangenen Monaten über dreißig Blickpaare entstanden. An jeder Station öffnet sich eine zweite Lesart der Stadt: die Lesart des Verweilens. Was die Markierung am Boden als Weg vorgibt, wird zum Anlass, anzuhalten. Was die Stadt im Vorübergehen erzählt, antwortet im Sitzen anders.

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Banksichten entlang des Roten Fades Hannover (Auszug)

Banksichten ist Teil von Hundertwerk — einem Denk- und Arbeitsraum für Projekte, die in Jahrzehnten denken

"Die Bank ist das Gegenteil des Weges : Sie verweilt, wo der andere sich bewegt.

Sie ist Behauptung im Raum, nicht Mittel zum Zweck."

_Kontakt

Für Sammler:innen, Kurator:innen, Philosoph:innen des Raums und Unterstützer:innen.



  • Kontakt: kurator@banksichten.de
  • Ort des Archivs: Schaumburg, Deutschland
  • Projektleitung: Marko Deutschkämer – Künstler, Raumforscher, Kurator der Aussicht


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JAHRE

190+

ORTE

550+

BLICKPAARE